Moderne Ansichten

Das Wort der Moderne. Selbstfindung. Der Buchmarkt überschwemmt von Selbstfindungsratgeber. Werde dich selbst. Finde dein Selbst. OK, mache ich, wenn mir einer sagen kann was mein Selbst ist und wie ich es finde. Ich habe einige dieser Selbstfindungsratgeber gelesen. Im Prinzip erzählen sie alle das Gleiche, geben den Dingen nur andere Namen. Hast du eins gelesen, kannst du dir möglicherweise ein Zweites ersparen. Gefunden habe ich mich dadurch nicht. Ich habe sogar aus Neugier so ein Selbstfindungsseminar besucht. Finde dich selbst durch (. . . ).? An einem Wochenende. Ein ganzes Wochenende Selbstfindung. Gefunden habe ich mich auch da nicht. Der Leiter dieses Seminars hatte wohl wie ich, ein paar zu viel von diesen Ratgebern gelesen. Sich das herausgezogen was er für stimmig hielt und dem Ganzen einen kreativen Namen verpasst. Ganz ehrlich, der Schrott war es nicht wert das Wochenende dafür zu opfern. Dieses lieblos zusammengestellte Seminar und der Mann ohne Charisma waren einfach nur langweilig. Zumal es ein Problem gibt mit diesen Selbstfindungsseminaren. Wie soll ein Anderer mich finden? Sprich seine Anleitung eines Fremden mich zu mir führen? Das ist doch nur sein Weg, bei dem er sich selbst nie gefunden hat. Denn hätte er sich selbst gefunden, würde er keine Seminare geben.

Wie sollte ein anderer Mensch als ich erkennen, wie ich mein Selbst finden kann? Wobei die Frage aufkommt, wann und wo ich mich überhaupt verloren habe? Auch wenn er aus reinem Zufall darauf stoßen würde, wer ich bin, würde ich es glauben? Nein, wie könnte ich das? Ich weiß doch gar nicht, wer ich bin. Schnell hätte ich Hundert Argumente, warum er mit seinen Aussagen falsch läge. Ich bin der, der ich bin. Eine einfache Aussage, die aber ohne Bezug zur Lösung dieses Problems, daher kommt. Bin ich das, was ich mache? Mein Beruf, mein Hobby, meine Gedanken, meine Macken usw. Was macht mich nicht nur aus, was sagt auch, das bin ich? Wenn ich eine Seele besitze, kann ich dann überhaupt Jemand sein? Oder bin ich nur ein Experiment meiner Seele? OK, das habe ich noch nicht erfahren. Bin ich das, was ich denke? Bin ich nicht ständig jemand Anderer? Folge ich dem roten Faden meiner Gedanken? Bin ich das alles zusammen oder einfach nichts? Wer bin ich? Oder heißt das, Wer und Was bin ich? Und ist das nicht völlig egal? Bin ich nicht ständig eine andere Person? Bin ich nicht der, der handelt wie er eben handelt und ist wie er eben ist? Sind es meine Handlungen die mich definieren? Dieser Gedanke scheint mir gerade der Stimmigste zu sein. Fühlt sich gut an. Wenn ich aufzähle was mich ausmacht, dann fühle ich mich mir Nahe.

Aber was ist mit meinen Handlungen, mit meinen Gedanken, die ich niemanden erzähle und zeige? Die bin ich doch auch oder gehören diese nicht zu mir? Nur weil ich sie nicht mag. oder ich mag sie aber keiner soll sie erfahren. Ganz eindeutig bin das auch ich. Legt das nicht den Schluss nahe, das selbst wenn ich mich erkenne, niemand außer mir selbst jemals wissen wird, wer ich wirklich bin? Warum stelle ich mir dann diese Frage überhaupt? Wer braucht diese Identität? Ist es für mich wichtig zu wissen, wer ich bin? Wenn ja, warum war es bis heute nicht wichtig? Mein ganzes bisheriges Leben weiß ich nicht wer ich bin und habe trotzdem gelebt. Was also soll an dieser Sinnfrage so wichtig sein? Teilen könnte ich es mit niemanden und mich weiter bringen? Wohin? Was würde sich für mich verändern wenn ich sagen könnte, Robert ist Dieser und Jener, Punkt? Der wäre ich dann, genau in diesem Moment. Aber bin ich im nächsten Moment noch der Robert von gerade eben? Entwickele ich mich nicht weiter und verändere dadurch Robert? Wenn ich mir neue Bausteine hinzufüge, bin ich dann der Neue oder der Alte mit neuen Bausteinen? Mir ist es wichtig das zu leben, was ich so in mir fühle. Das zu leben was ich mir wünsche. Das bin dann ich. Alles andere ist nur Sinnsuche für die Sinnsuche. Es würde nichts verändern, wenn ich bewusst wüsste, wer ich bin. Denn unbewusst kann ich nur Leben Wer und Was ich bin. Das geht gar nicht anders, da Ich, Ich bin. Nichts anderes kann ich sein. Aber ich kann mich fragen, möchte ich so sein wie ich mich gerade erfahre? Wenn ja alles gut. Sollte die Antwort nein heißen dann muss ich etwas verändern. Aber dazu muss ich nicht auf die Suche nach meinem Selbst gehen. Das lebt in mir jeden Tag. Wäre es nicht so wie ich es möchte, würde ich mich doch unwohl mit mir selbst fühlen.

Aber es gibt ja noch die Suche nach dem höheren Selbst. Also dem Selbst das besser ist als das eigentliche Selbst. Das Gott oder einem Schöpfer näher sein soll. Dazu muss man sich vergeistigen. Zu einer Wolke aus Geist und Energie werden. Muss man nicht. Menschen machen einfach alles kompliziert. Das scheint das Wesen des Menschen zu sein. Kompliziert. Welche spirituelle Erfahrungen möchte man denn machen durch Meditation den ganzen Tag? Durch Gebete den ganzen Tag? Durch reinigen des eigenen Tempel? Der Schöpfer lebt in jedem und den kann man ansprechen zu jeder Zeit. Dafür braucht es keine Gebete, keine Meditation und keine spirituellen Führer. Das geht alles von ganz alleine man muss es nur machen. Also machen und nicht zweifeln. Die Übung macht den Meister und für diese Übung braucht es keinen Meister. Einfach die Art Gespräch finden, die am besten zu einem selbst passt. Keine Angst der Schöpfer reagiert auf jede Art der Kommunikation. Du muss nur zuhören, fühlen und sehen. Das ist auch schon alles. Möchtest du allerdings in Welten eintreten, zu denen du kein Zugang hast, dann musst du dir Zugang verschaffen. Da sind dann Meditation oder Schamanische Reisen sehr gute Wegbereiter. Ob man sich dafür einen Führer oder Lehrer aufsucht sei jedem selbst überlassen. Ich finde ein paar gute Videos, ein gutes Buch und dann sehr viel ausprobieren, reichen völlig aus. Denn letztendlich kannst nur du selbst dein Weg sein. Kein anderer kann dir diesen erklären oder für dich oder mit dir gehen. Aber genau das ist das Spannende am Leben. Die eigene Erfahrung. das eigene Machen. Das eigene Fühlen. Das eigene Risiko. Nichts und Niemand kann das ersetzen. Aber der Mensch versucht es ständig. Eine der beliebtesten Methoden einen geeignete/n Partner/in dafür zu suchen. Gemeinsam geht alles besser. Einer dieser Sprüche, die uns davon abhalten sollen, Selbst zu sein. Es gibt Sachen die kann man nur alleine machen. Und um unser Menschen Lieblingswort zu benutzen, die muss man alleine machen.

Ich bin genau das und der worauf ich mich in diesem Moment einlasse und das ist in jedem Moment so.

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay 

8 Kommentare zu „Moderne Ansichten

  1. Ich mag diese Selbstfindungsseminare auch nicht, hat mir noch nie etwas gebracht, Hirnjogging for nothing. Sehr gute Gedanken von Dir zu diesem Thema. Wir werden geboren mit einer gewissen Veranlagung, das Erlebte prägt uns natürlich auch und irgendwann wenn wir alles überdenken können, veraendern wir unsere Muster, falls wir das überhaupt wollen. Wir schauen uns Situationen aus einem anderen Blickwinkel an. Mit allem was wir erfahren und erfühlen ändern wir uns ein Leben lang. Das Selbst ist nicht starr sondern von Moment zu Moment formbar.

    Gefällt 3 Personen

    1. Wäre unser Selbst etwas Starres und Fertiges gäbe es ja keine Entwicklung in uns. Wir wären was wir sind. Aber dem ist natürlich nicht so. Also braucht ein niemand ein Selbsfindungsseminar oder Buch. Stattdessen wären Seminare wie lebe ich mit dem Herzgefühl nicht schlecht. Wie lebe ich in Liebe mit den Menschen. Wie achte ich die Natur und alle Lebewesen darin. Das wären doch Themen, die uns als Mensch weiterbringen würden.

      Gefällt 2 Personen

    1. Kommt darauf an, ich könnte auch nur der Sache nahe sein und mich dadurch vergessen wollen. Also wird mein innerer Zustand der ausschlaggebende sein. Bin ich mich selbst werde ich ganz in der Sache bei mir sein, bin ich das nicht, werde ich in der Sache verschwinden. Allerdings ohne mit mir selbst dabei zu sein.

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