Der leichteste Weg (243,5km)Teil 2

Nicht immer ist der leichteste Weg auch der einfachste und nicht immer der schwerste Weg der Härteste . Es ist unser Denken das alles kompliziert. Während ich so vor mich hin lief, kam mir ein paar Gedanken zum Ich. Frage wie, wer bin Ich oder die Frage wie werde ich, Ich? Diese Fragen haben mir nie sonderlich viel gesagt. Allein weil ich mir keine Antwort darauf geben konnte. Wie werde ich, Ich selbst? Diese Frage hat sich mir dann auf dem Weg, ganz von selbst beantwortet. Du wirst das, was du gerade machst. Was du gerade erlebst. Wie du dich gerade fühlst. Ich bin genau der Moment, den ich gerade lebe. Nichts anderes bin Ich. Wenn ich das weis, dann kann ich mich auch leben. Ich brauche dazu keine Gedanken, keine Anleitung und muss dafür auch nichts lernen.

Schmerzen kann man auch ausblenden habe ich gelernt. Ich wusste das schon theoretisch aber habe es nie wirklich praktiziert. Wenn ich Schmerz ignoriere, dann tritt dieser in den Hintergrund. So weit, das er nicht mehr wirklich stört. So weit das man sich auf die schönen Sachen konzentrieren kann. Überhaupt wenn man sein Umfeld ganz bewusst wahr nimmt, dann verändert sich dein Innerstes. Wenn du damit beschäftigt bist nach Hinweisen zu suchen oder die Karte zu studieren, verbindest du dich mit deiner Umgebung. Du wirst zu einem Teil deines Weges. Zur Landschaft oder zur Straße. Zum Wald oder Teil des Himmels. Immer das auf das du konzentriert bist. Anfangs war ich noch völlig auf den Weg konzentriert. Auf das Wie mache ich Was? Was kommt jetzt und was wird kommen. Nach einem Tag wandern veränderte sich das komplett.

Ich war an meiner Umgebung interessiert. Einfach nur die Landschaft genossen und versucht den Schmerz überall zu ignorieren. Es ist erstaunlich wie viele innere Prozesse auf einmal in dir ablaufen und noch mehr erstaunt wie man plötzlich Teil dieser Abläufe wird. Sie mitbekommt und man anfängt selbst Einfluss auf sie zu nehmen. Meine erste Nacht verbrachte ich nahe einer Aussichtsplattform Namens Rauschbart. Von dort aus hat man einen spektakulären Blick auf das Neckartal und Horb. Einen toller Biergarten hat es dort auch aber den habe ich gemieden. Er war nicht Bestandteil meiner Reisegedanken. Auf jeden Fall war mein Lagerplatz unter Bäumen. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Mein Körper sprach auch mit mir. Geht´s noch? Wie wäre es mit einem Bett? Morgen willst aber nicht wieder laufen? (Mit drohenden Unterton). Krampf im Bein und Rückenschmerz.

Was sich nach Stunden anhört, dauerte wohl nicht länger als drei Minuten. Dann war ich im Reich der Träume, an die ich mich allerdings nicht erinnerte. Morgens in aller früh erwacht. Uhrzeit keine Ahnung. Uhrzeit keine Ahnung. Es war ein wunderbares Gefühl das zu denken. Uhrzeit keine Ahnung und… so was von egal. Spirituskocher (Sturmkocher-Set) raus. Wasser heiß gemacht und Kaffee (Instant) mit Milchkaffeepulver geschlürft. Einfach genial. Was für ein Lebensgefühl. EINZIGARTIG. Der zweite Abend war dagegen ein richtiger Wald- Nacht- Lager- Platz. Ich konnte nicht schlafen. Zu Einem weil mir jetzt wirklich alles weh tat, zum Anderen weil tausend Gedanken durch mein Gehirn und meine Gefühlswelt tobten. Ich nenne es heute die Bewusst werden Phase. Bewusst werden was ich da gerade mache. Bewusst werden wie mein Leben aussieht. Bewusst werden wie Schmerz Teil meines Lebens an sich ist.

Bewusst werden das ich Teil von etwas bin das ich gar nicht verstehe und auch niemals verstehen werde. Es fehlen einfach die Möglichkeiten sich Leben wirklich bewusst zu machen. Wenn man alleine im Freien liegt, Nachts und zu den Sternen blickt, dann kommen Fragen. Fragen aus dem Innersten. Nicht bewusst. Sie kommen ganz einfach. Fragen die man nicht beantworten kann. Weil die Informationen die man hat, einfach nicht stimmig sind. Das mit dem Big Bang. Mit dem wir rasen durch das All aber nichts bewegt sich. Wir leben auf einer Kugel aber Flugzeuge fliegen einfach nur gerade aus und das ohne im Weltraum zu landen. Wir haben eine Atmosphäre, die sich mit uns um die Erde dreht, mit Teilweise 1600 km/h. Rasen um die Sonne mit etwa 108.000 km/h und fliegen durch das Universum mit 220 km/s und die Atmosphäre bleibt treu an unserer Seite. Echt jetzt? Wir bemerken von all dem nichts und doch jeden Windhauch auf unserem Planeten.

Auch dürfte ein Hubschrauber, der senkrecht in die Höhe fliegt und seine Position eine Stunde nicht verändert, niemals am gleichen Platz landen. Wird mit der Gravitation erklärt. Aber für mich hört sich dieses Gravitationsgesetz nach dem an was es ist. Wissenschaft aus einer Glaskugel. Eine Kraft die alles ausgleicht. Die auf jede Bewegung die optimale Kraft aus übt. Flugzeuge die gegen die Rotation der Erde fliegen, brauchen für die gleiche Flugstrecke nicht eine Minute längere Flugzeit als, die die mit der Rotation fliegen. Würde aber ein Sturm die Maschine erfassen bräuchte sie erheblich länger. Ein Vogel fliegt in jede Richtung mit der gleichen Geschwindigkeit aber der Wind beschleunigt oder verlangsamt ihn. Rotationen mit Geschwindigkeiten von 1600 km/h schaffen das aber nicht. Wo bleibt da die Logik?

Solche Gedanken hatte ich in meiner zweiten Nacht. Bis ich irgendwann einschlief. Was ich träumte entzieht sich meiner Kenntnis. Diesmal wachte ich durch einen Schauer auf. Im Wald war ich gut aber nicht gänzlich geschützt. War aber ein angenehmes Gefühl. Vereinzelt Tropfen zu sehen und zu spüren . Ich bildete mir ein die Tropfen fallen zu hören. Vielleicht hörte ich sie auch tatsächlich?

photos by https://www.splitshire.com

24 Kommentare zu „Der leichteste Weg (243,5km)Teil 2

  1. Unter freiem Himmel zu schlafen, nur mit Natur drumherum ist wunderbar! Ich habe das in den Pyrenäen erlebt und auch in Norddeutschland in der Plöner Seen Gegend. Dieses Gefühl, dass die Natur der Lebensraum, das Haus ist, einfach so wie sie ist. Hinterher kommt einem die Wohnung sehr klein vor.

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  2. HIer hast du doch erklärt warum die Menschen heute wie nach einer Gehirnwäsche rumlaufen. Ständige „kicks“ im Internet suchen, Breaking news und „Unglaubliches“ und..und….
    Habe vor ein paar Wochen ein Buch gelesen, dass den unfreiwilligen, 2 Monate langen Weg zu Fuss eines Mannes beschrieben hat. Am Ende war er ein ganz anderer Mensch.
    Was du über Schmerzen schreibst kann ich nur bestätigen. Ich lebe seit 16 Jahren mit Schmerzen.

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    1. Es ist nicht einfach sich dem Griff der Technik, mit all ihren Fallstricken zu entziehen. Eine Balance zu finden. Ein Stück Wissen läßt dich nach dem nächsten suchen. Schnell bist du wieder gefangen ohne es selbst so richtig mitzubekommen. Verzicht beginnt schon im wissen wollen. Ich muss nicht alles googeln. Nicht alles hinterlesen. Nicht immer erreichbar sein und das muss ich Andere auch wissen und spüren lassen Befreien bedeutet Arbeit an sich selbst und das müssen die Leute auch mitbekommen. Sonst ziehen die dich wieder rein.

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  3. Eine Erzählung, die mich jedes Gefühl, jeden Gedanken spüren lässt. Hat mich sehr berührt, auch weil ich schon ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Ich bin gespannt auf weitere.
    Schmerzen auszublenden/ausblenden zu können, ist ein wichtiger Hinweis. Das begleitet mich erfolgreich durch mein Leben. Selbst ein dreifacher Bandscheibenvorfall kann mich nicht hindern, in die Berge zu gehen oder anderes zu tun, das mir wirklich wichtig ist. Die Bedeutung/Wertigkeit verschiebt sich. Bedeutung bekommt er nur, während ich Maßnahmen dagegen ergreife. Sonst würde mir einfach zu viel Schönes entgehen.

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    1. Das kann ich definitiv bejahen. Ich denke die Art und Weise, wie wir mit was auch immer umgehen, hinterlässt Spuren in uns. Je mehr wir uns unserem emotionalen Inneren nähern, um so mehr verändert sich alles.

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    1. Grüß dich Silvia
      Ich habe mir auf dem ganzen Weg sowas wie Notizen gemacht. Nicht über das Erlebte über das Gefühlte. Manches davon ist dann in die Texte eingeflossen. So gut das halt rüber zu bringen ist. Freut mich das du da mit gehen könntest.
      Lg Robert

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