Antlitz

Ich bin der Betrachter von der anderen Seite. Betrachte dich stets in der Laune, in der du mich zu anblicken vermagst. Spiegel alles was sich mir nähert im Lichte, wie in den Schatten. Magst mich anlächeln und doch sehe ich jede verdrießliche Regung dahinter. Jahre gehtst du an mir vorbei. Magst mich nicht sehen, da ich dich bin. Magst mich sehen, da ich dich bin. Kontrollierst Bart und Haar, kontrollierst deine Falten aber vermagst nie in deine Seele zu blicken.

Spiegelst gerade dein Gegenüber, das ich in diesem Moment nicht bin. Beschlage mit den Jahren, werde gar blind und doch nicht so blind wie meine Betrachter. Sie sehen was sie zu sehen vermögen aber erkennen sich nicht selbst. Ziehen Grimassen und bewerten die eigene Person. Nicht in Güte, nicht mit Wohlwollen. Selten sehen sie sich selbst. Sehen mich und glauben mich gesehen zu haben. Ich bin aber nicht du. Ich spiegele nur was ich sehe. Kann nicht dich sein auch wenn dein Antlitz mit verziert.

photo Daria Sannikova on pexels

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