Cafe talk mit mir selbst


Ein guter Kaffee muss schwarz wie die Nacht, heiß wie die Liebe und so süß oder bitter wie das Leben sein.
Arabisches Sprichwort

Ich sitze gerade in meinem Lieblingscafe. Ein Tasse Kaffee vor mir auf dem gemütlich hergerichteten Tisch. Ich betrachte die Leute um mich herum. Genieße die leise Musik und den Duft des Cafes um mich herum. Ich blicke aus dem Cafe in die Gassen Passaus. Menschen hetzen vorbei. Die Kälte animiert nicht gerade zum bummeln. Menschen. Schon eine seltsame Gattung Leben.Wie beschreibt man einen Menschen?Man sieht ja nur die Fassade. Das Blendwerk. Einige fein heraus geputzt, andere sagen wir „lässig“ gekleidet und ein paar etwas „verwittert“. An der Kleidung kann man zumeist aber nicht immer, ein wenig festmachen mit was für einem Typus Mensch man es gerade zu tun hat. Auch die Körperhaltung, Körperspannung sowie der Gag und der Bewegungsablauf sagt einiges über den Menschen.

Die Mimik, auch die Sprache,so wie derer Gebrauch sendet uns Informationen. Aber kann ich an all diesen Kriterien wirklich festmachen wie mein Gegenüber tickt? Istv wie ein wenig Wahrsagen mit Schummelfaktor. Sollte ich mich fragen, was einen Menschen wirklich ausmacht? Wäre wohl nicht so ganz verkehrt. Also was macht uns Menschen wirklich aus? Wohl ziemlich eindeutig seine Geschichte. Seine Gefühle, seine Gedanken. Das was er gelernt hat. Was davon kann ich über dich wissen wenn ich dich betrachte? Nichts. Gar nichts. Oder sollte ich aus deinem gut sitzenden Anzug schließen das du ein Banker bist? Das du reich bist und wenn das stimmt, was weis ich dann über deine Geschichte, deine Gedanken? Darüber kann ich nur spekulieren.

Wenn mir ein Mensch zum ersten mal begegnet und richtig unhöflich ist, muss ich dann annehmen das da ein Armleuchter vor mir steht? Kann ich aber habe ich damit recht? Vielleicht ist das in Wirklichkeit ein Herzensguter Mensch. Nur genau an diesem Tag ist er krank oder er hat ein sehr großes Problem mit dem er gerade nicht fertig wird.Ich weis es nicht aber ich denke automatisch schlecht über ihn. Wie viele Leute haben wohl genau aus diesem Grund schon schlecht über mich gedacht? Treffe ich diesen Menschen zufällig wieder, nimmt mein Körper sofort eine Abwehrhaltung ein. Ganz automatisch. Mag ich diese Automatik? Jetzt da ich mir diese Frage stelle, kann ich sie ganz klar verneinen. Meine Ablehnung wird eine erneute Interaktion vereiteln und ich werde nie erfahren was für ein Mensch das wirklich war. Hätte rein theoretisch der beste Freund von mir werden können. Hätte.

Wir Menschen vertrauen auf das was so in uns ist. Das ist soweit ganz Ok aber sollten wir nicht öfters einmal unsere Gedanken zu den Dingen hinterfragen?Sind wir denn jeden Tag gleich? Also wenn ich Morgens meine Augen öffne dann fühle ich mich definitiv jeden Tag anders.Wird wohl nicht nur mir so gehen. Ich habe auch nicht jeden Tag die gleichen, ja nicht einmal die selben Gedanken. Warum nehme ich es dann hin, jeden Tag gleich über meine Gegenüber zu denken? Ich sehe meinen Arbeitskollegen ja immer mit den gleichen Augen. ich sehe keine Veränderungen an ihm. Höchstens seinen Launen. Aber er verändert sich genau wie ich mich auch verändere. Wir alle verändern uns. Warum denke ich dann das ganze Leben gleich über die allermeisten Meschen?

Das Ganze wird besonders seltsam, wenn ich zehn verschiedene Leute frage, wie sie mich denn sehen? Da liegen teilweise Welten zwischen den Sichten und nicht einer sieht mich wirklich wie ich mich selbst sehe. Das ist schockierend. Wie kann das sein? Das Cafe wird immer voller. Da sitzen Menschen an den Tischen, von denen ich niemals angenommen hätte, das sie jemals ein Cafe betreten würden. Andere wirken auf mich als würden sie hier wohnen.Ich habe ein Bild im Kopf von Leuten die ein Cafe besuchen und das Bild ist falsch. Woher habe ich überhaupt diese Bild in meinem Kopf? Wie viele Bilder trage ich noch im mit die nichts mit der Realität zu schaffen haben? Wie vielen Menschen beschere ich dadurch Unrecht? Ist es mir möglich meine Bilder zu korrigieren? Was müsste ich dazu anstellen? Wie vermittle ich den Menschen das Bild von mir, von dem ich annehme das ich es von mir habe? Ist mir das überhaupt wichtig? Wenn ich in mich hinein fühle, Ja. Warum achte ich dann so wenig darauf?

Oder bin ich doch anders als das Bild das ich von mir in mir trage? Fest steht, wenn ich nicht einmal so richtig über mich selbst bescheid weis, wie kann ich dann über das Gegenüber bescheid wissen? Ich habe doch immer nur ein vages Bild von den Menschen mit denen ich in Berührung komme. Das alles ist so kompliziert, das es mich jetzt weniger wundert, das wir Menschen stetig Kriege führen. Im großen, wie im Kleinen. Ich muss dann meine Art mich den Menschen zu nähren völlig neu überdenken. Mir eine neue Methode einfallen lassen. Mehr fragen, weniger voraussetzen.Mich selbst in der Interaktion mehr beobachten. Warum mache ich, oder sage ich gerade Dies oder Das? Bin ich das oder weiche ich mir gerade selbst aus? Wenn ich mehr auf mich schaue, dann sehe ich weniger auf die Anderen. Somit habe ich nicht die Möglichkeit den Anderen vorschnell einzuordnen und das Gegenüber erlebt mich und nicht eine Version von mir. Eine echte Win-Win Situation für alle.

Jetzt ist mein Kaffee kalt geworden. Auch wen kalter Kaffee schön machen soll, sage ich mir, bald ist wieder Mai da kann ich mich dann immer noch in den Regen stellen. Also einen neuen, heißen Kaffee bestellen und die Leute, Leute sein lassen. Die Torten sehen momentan auch recht verlockend aus aber der Mairegen kann leider nicht alles lösen. Also bleibt es für heute beim Kaffee.

header image by Alexnewworld auf Pixabay 

6 Kommentare zu „Cafe talk mit mir selbst

    1. Wir sehen im Anderen entweder das was wir an uns selbst nicht sehen wollen oder das was wir gerne hätten. Nicht wirklich prickelnd. Weder das eine noch das andere. Was die Lage des Andern erkennen noch schwieriger macht.

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      1. Was ich unter anderem meinte war, dass man Leuten nicht zufällig begegnet. Wir sollen aus den Begegnungen lernen. Das ist natürlich manchmal nicht so prickelnd, besonders wenn da auch noch Selbsterkenntnis involviert ist, die kann einem schon mal den Atem nehmen.

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      2. Hmm. Ich halte nichts von der Theorie das jede Begegnung einen „Nutzen“ hat. Das man von jedem etwas lernen könnte. Ich habe gelernt das nicht jedes Wissen für jeden geeignet ist und zu viel Wissen lenkt vom Wesentlichen ab. Das Leben ist so schon kompliziert genug. Daher halte ich auch nichts von der Theorie das uns keiner zufällig begegnet. Es ist für mich eher so, das einem die Leute zufällig über den Weg laufen, die dich von deinen Zielen fernhalten wollen. Somit haben sie das Gegenteil von einem Nutzen. Wenn man Menschen als Nutzen betrachten will.

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