(me) youth years later

Ich bin ein Kind der 60er und 70er Jahre. Es war eine völlig andere Zeit als die heutige. Kann man nicht vergleichen aber darüber ein wenig erzählen. Ich bin in einem Städtchen Namens Lahr/Schwarzwald aufgewachsen. Das liegt nur unweit von Strasburg. Knapp 50 Kilometer um genau zu sein. Mit 14 Jahren kam ich zum ersten Mal nach Strasburg, mit meinen Eltern. Im Rahmen des immer wieder kehrenden Sonntag Ausfluges. Das war damals In. Bei den Eltern, nicht beim Anhang. Das endete stets in einem Spaziergang und war daher mega peinlich. Auch die Teenager damals waren Eltern feindlich gestimmt. Ich weniger, da ich schon mit 14 machen konnte was ich wollte. Daher verbrachte ich meine Freizeit nie zuhause. Etwas trieb mich immer hinaus, in meine kleine aber feine Freundewelt.

Es gab weder Handy noch Computer und so verabredete man sich nach Orten und Uhrzeiten. Man traf sich stets persönlich und nicht über das Smartphone. Telefone hatten alle Kabel und die reichten nicht bis ins Kinderzimmer. Statt Internet gab es Zeitung und Fernsehen nur sehr bedingt. Unser erster Fernseher funktionierte nur in Schwarz/Weiß und war doch ein Wunder. Aber ich muss zurück nach Strasburg kehren. 1974 im Alter von 14 Jahren in Strasburg. Schlaghosen, buntes schrilles Hemd und Haare bis Mitte Rücken. Nach dem Spaziergang durch Strasburg, kamen wir am Münster an. Heerscharen von Menschen und wie ich bald feststellte mehr Franzosen als Deutsche. Hatte ich nicht erwartet.

Meine Eltern und Geschwister verschwanden im Münster und ich nutzte die Gelegenheit mich ein wenig alleine draußen um zusehen. Keine zwei Minuten später klopfte mir von hinten jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und sah eine Gruppe Mädchen und Jungs. Der Klopfer war eine Klopferin und sie sprach mich in einem sehr guten Deutsch an. Quel est ton nom? Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach aber konnte mir denken was sie meinte. Robert. Sie lachte und sprach:“ Parlez-vous français? Das verstand ich und antwortete:“ non, malheureusement pas.“ (einige Sätze in französisch beherrschte ich schon) Jetzt schaute sie mich dermaßen verwirrt an, das alle Mann zum lachen anfingen. So begann meine Freundschaft mit „Francis“. Das war nicht ihr wirklicher Name aber alle Welt nannte sie so. Sie war damals 16 Jahre alt. Natürlich kamen meine Eltern viel zu schnell wieder. Viel zu schnell. Als ich gehen wollte drückte mir Francis einen Zettel in die Hand.

Darauf stand eine Telefonnummer und eine Adresse. So haben wir uns Jahre lang geschrieben und auch telefoniert, was bei meinen Eltern nicht so gut an kam. Telefonrechnungen gab es schon immer. Als dann ein Freund von mir den Führerschein in der Tasche hatte, verbrachten wir unsere ganzen Wochenenden in Strasburg. Wir stellten uns einfach ans Münster und nach ein paar Minuten waren wir mit ein paar Franzosen unterwegs. Die Franzosen der Siebziger waren wirklich so was von locker. Mädchen küssten dich einfach oder du hast sie geküsst. Da war nichts dabei. Einfach so weil es Spaß machte. Das war in Deutschland ganz anders. Da war immer gleich von Liebe die Rede. Das wollte ich aber nicht. Ich wollte frei sein, wie die Franzosen. Irgendwann hatte ich selbst den Führerschein und bin dann so gut wie immer, alleine nach Strasburg gefahren.

Pauline Loroy

Die meisten meiner Kumpel hatten inzwischen Freundinnen in Deutschland und von daher konnte man nicht mehr viel mit ihnen anfangen. Ich hatte aber einen großen Freundeskreis in Strasburg und von daher natürlich mein Leben dort. Und dann kam der für mich herbei gesehnte Tag. Ich traf Francis und …… ihren Freund. Ich glaube das ich diesmal verwirrt geschaut habe, denn beide lachten mir etwas zu laut. So blieb Francis immer nur eine Freundin, was sich für unsere Freundschaft, als äußerst positiv herausstellte. Wir telefonieren heute noch und wenn ich in Strasburg bin treffen wir uns in unserem Cafe. Ohne ihren Freund, da sie den vor 10 Jahren verlassen hat. Irgendwann erzählte mir sie dann mal, warum wir uns erst so viele Jahre später getroffen haben, obwohl ich so oft in Strasburg war. Sie dachte unsere Freundschaft würde aufhören, wenn wir uns wieder sehen würden. Und das wollte sie unbedingt verhindern. Ich denke es war ihre romantische Ader und ihre unendliche Liebe die sie in sich trägt, die alles als Abenteuer sah, das nie enden sollte. Sie ist mir heute wie eine Schwester.

Ich denke das meine Vorliebe für Cafes aus diesen Jahren in Strasburg stammt.Ich liebe Frankreich und ich liebe die französische Bevölkerung. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen. Diese Zeit hat mein ganzes Leben geprägt. Die Revolutzerader in mir, die stete Suche nach Freiheit. Das offen sein für Alles und Jeden. Meine Sicht auf Frankreich und Deutschland. Meine Vorliebe für Croissant und Cafe au lait. Für Menschen die ihr Herz auf den Lippen tragen. Für die, die alles einfach stehen und liegen lassen können. Die im Leben das Schöne und das Abenteuer sehen können. Die Liebe, Liebe sein lassen können. Für Leute die Lachen für angeboren halten und für Menschen, die einfach mit dir leben, weil sie dich gut finden.

header image by unsplash. Sweet Ice Cream Photography

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21 Kommentare zu „(me) youth years later“

  1. Lieber Robert, das ist wunderschön geschrieben, und ich liebe deinen letzten Absatz! Hat mir grade ein seeeehr großes Lächeln ins Gesicht gezaubert! Werde mich mal wieder in ein Cafè setzen 🙂

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    1. Grüß dich Nati
      Wenn nicht die Teenie Zeit, welche Zeit dann? In keiner Zeit sind wir verrückter und emotionaler. Wilder und verletzlicher. Nie sind wir offener und bereiter, alles für den einen Menschen zu tun. Ich finde das diese Zeit prägender, als alle andere Zeiten.

      Gefällt 1 Person

    1. Danke dir. Ja der 2CV. Ich hatte einen bei dem man das Dach nach hinten klappen konnte. Das war ein unbeschreibliches Fahrgefühl. Manchmal fühlte ich mich wie am Deck eines Schiffes 🙂 🙂

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  2. Lieber Robert,
    dein Beitrag ist so wunderbar und Herz erfrischend zu lesen, wie es nicht oft bei WP der Fall ist. Deinen Hang zu Frankreich, deren Mentalität und auch Kultur konnte ich immer wieder in den Beiträgen erkennen und nach dieser richtig schönen, offenherzigen Erzählung aus deiner Jugend kann ichs noch besser verstehen.
    So eine schöne und innige Freundschaft wie du sie mit Francis pflegst ist mehr wert und langlebiger als manche Liebe bzw Liebelei, was hier sehr schön zum Ausdruck kommt… und bin begeistert von deinem Beitrag!
    Liebe Grüße von Hanne

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    1. Liebe Hanne
      und ich bin begeistert von diesem wunderbaren Kommentar. Zeigt er mir doch, das mein Empfinden bei dir angekommen ist. Und du es auch noch teilst.Das freut mich sehr. Ich werde unter (me) ab und zu über mein Leben schreiben, da sich so manches ereignet hat, das ich gerne mit euch teilen möchte.
      Lg Robert 🙂 🙂

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      1. Eine sehr schöne Idee, worüber sich deine wirklich interessierten, deinem Blog sehr gerne folgenden Blogfreunde und Leser ganz bestimmt auch sehr freuen.
        Liebs Grüßle, Hanne🙂🙂🍀

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