Schiff Reise

Ich sehe einen Hafen. Nicht einen X-beliebigen Hafen. Meinen Hafen. Ich sehe mich darin umher gehen. Es ist der Hafen meiner Seele. Viele Reisen, in Herzen und Seelen anderer Menschen, habe ich hier begonnen. Gute Seelen, böse Herzen, alles habe ich angetroffen in den vielen Jahren.

Da stehe ich nun und betrachte die Schiffe, auf denen ich meine Reisen unternommen. Viele sind zerfallen oder stehen kurz davor. Andere gleichen Galeeren, wenn ich die vielen Ruder betrachte. Manch eines erstrahlt im Glanz des Sieges, des Erfolges. Weit hin leuchtend.

Sie stehen krass im Kontrast zu den schwarzen, vom Ruß bedeckten alten Kähnen, abseits aller Gloria. Die Seelenverkäufer. Mir wird Angst wenn ich sie betrachte. Sie starren mich mit toten Augen an. Starren auf den Grund meiner Seele und schreien in mein Herz. Verräter, Lügner, Wichtigtuer.

Jede Tat hat seine eignen Folgen. Sie fressen sich in unsere Herzen und in unsere Seelen. Wir sehen sie zumeist nicht, da wir schon wieder unsere Segel in den Wind gedreht haben und unter voller Last dem nächsten Herzen entgegen segeln. Aber nichts wird vergessen und alles hat seine Konsequenzen.

Ich sehe Schiffe in meinem Hafen, die noch im Bau, manche in Planung sind. Sie harren der Dinge, die noch in mir entstehen werden. Nebel ziehen an mir vorbei, in den Hafen. Schemenhaft sind Lastkräne zu erkennen. Sie entladen meine Schiffe. Ich kann Glück, Liebe und Wärme schemenhaft erkennen. Sie strahlen durch die Nebelschwaden bis zu mir. Seltsame Erinnerungen und Gefühle erfassen mich.

Gerüche erreichen mich immer öfters. Sie stinken nach Angst, Lust, Gier und geraubten Vertrauen. Modrig, faulig Verderbt. Sie kommen von den Seelenverkäufern, die ebenfalls entladen werden. Blutrot und Schwarz glänzend springen sie mir durch die Augen in meinen Geist. Fordern Rechenschaft von mir.

Ich spüre die Splitter zerbrochener Herzen und Träume. Auch von mir sind welche dabei. Sie stechen in meinen Augen, in meinem Herzen und zerkratzen die Wände meiner Seele. Wie tote Diamanten funkeln sie auf den Lastkränen meines Gewissens.

Mir wird so schwer ums Herz. Ich kann die Tränen in mir fallen hören. Tränen die vom Herzen auf die Seele tropfen. Wie Paukenschläge, so laut, so schmerzhaft. Tränen die ich nicht bereit war zu weinen. Tränen die ich mitgenommen habe, aus den Herzen derer, die ich nicht glücklich machen konnte.

Ich erkenne sie jetzt an den Mastspitzen der Seelenverkäufer. Funkelnde Perlen. Reih an Reih.

Ich blicke wieder in meinen Hafen. Die Nebel haben sich verzogen. Meine Schiffe liegen im klaren, grünblau schimmernden Wasser. So klar das ich den Grund erkennen kann. Dort liegen viele verrostete Anker. Verrostet und mit tiefen Schrammen im Stahl des Lebens. Einst waren sie mein Halt und Vertrauen. Halt den ich suchte oder Halt den ich gab. Sie werden nicht mehr gebraucht, die verrosteten Anker. Ihre Geschichte ist Vergangenheit.

Ihr Anblick stimmt mich verloren, daher richtet sich mein Blick Richtung Horizont. Haltlos fühle ich mich, als ich ein weißes, glänzendes Segelschiff erblicke. Goldene Buchstaben auf strahlend weißen Segel. Fast schon magisch angezogen fühle ich mich. Glück möchte meine Adern, mein Herz und meine Seele fluten. Mein Horizont ist erfüllt von diesem prächtigen Schiff.

Die Liebe ist es, die daher segelt. Alle Sinne sind gespannt. Eine neue Reise steht kurz bevor. In all ihrer Verlockung und Pracht, steht sie da und wartet. Golden weiß, am Horizont all meiner Gefühle. Keine Seelenverkäufer, mit ihrem Gestank, sind mehr zu sehen. Keine Tränenperlen.

Aber ich wende mich ab. Zu viele solcher Fahrten habe ich schon gemacht. Ich finde keinen Trost mehr in all diesen glänzenden Farben. In all diesen Verlockungen. Wo haben sie mich hingebracht, all diese Verlockungen? Zurück an meinen Hafen. Zurück an meinen eigenen Horizont. Zu den Seelenverkäufern, zu den Ankern. Du kannst mich nicht mehr blenden, Leben. Nimm deinen verheißungsvollen Horizont. Nimm deine goldenen Farben und deinen falschen Glanz mit in die Hölle, die du damit schaffen möchtest.

Nimm deine Verheißung, der ich zu oft erlegen bin. Ich habe meine Lehren aus meinen Verfehlungen gezogen. Meine Seelenverkäufer in dir erkannt. Heute liebe ich meinen Hafen. Ich laufe aus wenn sich die See verdunkelt. Wenn der Horizont voller Blitze und der Sturm, mit seinem Regen, das Meer aufwühlt. Ich erkenne darin die wahre Schönheit der Liebe. Erkenne das Vertrauen darin. Wenn Nebel Schleier sich um mein Schiff legen, damit ich vom Kurs abkomme, werde ich meinen Leuchtturm sehen. Wenn die Sonne von falschen Schatten, das Licht meines Weges verdunkelt, werde ich das Licht meines Leuchtturm sehen.

Mein Hafen, mein Leuchtturm sind jetzt mein Zuhause. Ich trotze allen Wellen die mich zu verschlingen drohen. Denn ich habe meine Anker poliert, meine Seelenverkäufer entladen. Den Geruch beseitigt und die Nebel erkannt. Ich bin bereit.Ich bin frei.

30 Kommentare zu „Schiff Reise

    1. Erstmal danke Sovely. Ich denke jeder kennt so einen Hafen. Mehr oder weniger aufgeräumt. Mein Hafen habe ich beschrieben und es war ein gutes Gefühl. Jedes Wort ein Erlebnis. Es gibt Texte die fließen aus der Seele, durch die Feder, direkt auf das Papier. Das war einer davon.

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  1. Grüß dich Robert.
    Bekam beim Lesen dieses sehr emotionalen Rückblicks etwas Gänsehaut und zwischendurch sogar auch mal Angst… Schon alleine durch den Seelenverkäufer.
    Konnte nicht mehr wirklich dabei erkennen ob Traum oder Alptraum. Aber sehr gut mit viel Tiefsinn und Gefühl geschrieben.
    Dachte für mich dabei… Nurein Träumer findet den Weg zu den Sternen.🙂🌿
    Bis ich dein bestimmt sehr leckeres Rezept mit dem Rotbarschfilet las und mich zurück auf den Boden holte. 😀
    Liebe Grüße von Hanne und genieße deine Freiheit! 🍀🌿

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    1. Grüß dich Hanne
      Das Leben kann schon mal zum Alptraum werden wenn man nicht aufpasst. Wichtig ist nur das man darin nicht stecken bleibt. Weiter geht und seine Schlüsse aus allem zieht. Das man nicht verbittert oder verängstigt wird. Positiv in den Hafen blickt und die Seelenverkäufer entleert.
      Lg Robert🍀🍀🍀❄️❄️❄️Hier hat es richtig Schnee. ❄️❄️❄️❄️

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      1. Kann auch ich im Rückblick auf meine Vergangenheit sehr gut nachempfinden Robert und so manches hinterlässt auch dauerhafte Spuren… Was aber am Ende ein Zeichen dafür ist, dass man wirklich gelebt und geliebt hat. Also kein wirklicher Grund zu verbittern, sondern lächelnd in der Gegenwart leben und auf die Zukunft bauen.
        LG von Hanne🍀🍀🌿 und auch bei uns hat es heute Nacht endlich wieder geschneit❄️❄️ 🌨️ was aber wohl leider nicht lange liegen bleibt.🙂

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      2. Wer in der Gegenwart lebt und in die Zukunft blinselt, der hat kein Grund zur Verbitterung. Hier schneit es ordentlich. Nur ist der Schnee so was von nass. Da gehst nicht freiwillig hinein. ❄️❄️❄️❄️Aber schön anzuschauen.
        Lg Robert 🍀🍀

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  2. Vielen Dank für diesen Text, du schaffst es mit Worten schöne Welten zu erschaffen 🙂

    Mir ist dazu eingefallen.. die Liebe liegt schon in deinem Hafen. Nicht als leuchtendes verlockendes Schiff, sondern irgendwo unter allem anderen, als normaler Kahn, still und würdevoll. Vielleicht eines Tages, wenn es an der Zeit ist, erkennst du sie und trotzt mit ihr den Wellen 🙂

    Die heute etwas romantische Cara wünscht einen schönen Tag!

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    1. Ich grüße die etwas romantische Cara,
      Ehrlich gesagt bin ich nicht auf der Suche. Ich bin viel zu gerne momentan alleine. Und ich hoffe das die Liebe sich noch einige Zeit zurück halten kann. Daher werde ich meinen Hafen auch nicht besuchen gehen. Sonst fällt mir dieser stille, würdevolle Kahn am Ende noch auf. :):)
      Einen schönen Tag dir, Robert 🙂

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  3. Guten Morgen Robert.
    Vielleicht kommt eines Tages ein weißes Schiff zu dir gefahren, das so glänzt und leuchtet dass du ihn doch in deinen Hafen lässt. Du lässt es passieren weil du dich all den Verlockungen doch nicht entziehen kannst. Sosehr du dich auch abwenden möchtest, schaffst du es nicht. Dann ist sie da, diese einmalige Liebe.

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    1. Guten Morgen Nati
      Ich neige zu der Meinung, das man diese einmalige Liebe, nicht im Leuchten eines weißen Schiffes findet. Man muss da schon genauer hinschauen und fühlen. Ansonsten findet man nur was man nie gesucht hat.
      Lg Robert Einen schönen Tag wünsche ich dir. Hat es bei dir auch geschneit? 🍀🍀❄️❄️❄️❄️❄️❄️

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      1. Dankeschön, nein, leider nieselt es hier vor sich hin. Hier ist es zu warm für Schnee.

        Aber als erstes nimmt man nur dieses Leuchten wahr, alles andere kommt nach und nach.

        Ich wünsche dir auch einen schönen Freitag.
        LG, Nati

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