the dreamers night shadow

Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
Dort wo die Kinder schläfern, heiß vom Hetzen,
dort wo die Alten sich zu Abend setzen,
und Herde glüh´n und hellen ihren Raum.

Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
Dort wo die Abendglocken klar verlangen
und Mädchen, vom Verhallenden befangen,
sich müde stützen auf den Brunnensaum.

Und eine Linde ist mein Lieblingsbaum;
und alle Sommer, welche in ihr schweigen,
rühren sich wieder in den tausend Zweigen
und wachen wieder zwischen Tag und Traum.

Rainer Maria Rilke

Ich stehe am offenen Fenster und starre in die Nacht. Regen fällt ins hohe Gras. In der Ferne höre ich Donner grollen. Der Nachthimmel erhellt sich kurz und sehr begrenzt. Ich sehe Bäume im Nachtschatten der Dunkelheit. Friedvoll, friedlich liegt das Leben vor mir. In mir wächst Melancholie, Sehnsucht nach ? ? ? Dir ?

Blitze zucken den Takt zum Regen, der leise auf das Dach rauscht. Einzelne Tropfen kann ich hören heraus. Klingen wie Noten im Rauschen des Orchester. Ich strecke meinen Arm, fast zur Gänze, zum Fenster weit hinaus. Sogleich Regen benetzt meine Haut. Es fühlt sich erfrischend lebhaft an.

Der Donner der den Blitzen folgt wird zunehmend lauter. Ich fühle mich dadurch lebendig. Unruhe macht sich in mir breit. Vom Herzen her, durch meinen Körper, in jedes lebendig Glied. Mein Arm, der immer noch vom Regen berührt, ist schon gänzlich Stück Natur. Kalt und doch geborgen. Ein Teil der Nacht und doch ich.

Bild von DasBoot66 auf Pixabay

Windböen fegen heran und zerren in meinem Haar und blasen mir Wind ins Gesicht. Mein nasser Arm wird vom Wind wild gebeugt. Der Regen immer heftiger. Ich nehme den Arm aus dem Wind. Ins Zimmer. Regentropfen von Böen gepackt, treffen mein Gesicht, mein Haar. Stechnadeln gleich, nur ohne Schmerz. Ich beobachte die Bäume die nur wenig im Wind sich schaukeln. Hohe Gräser wogen hin und her. Hin und her.

Nachthimmel rabenschwarz von den Blitzen gespalten und vom Donner unberührt, scheint mir zu sagen, Worte die aus meinem Innersten stammen. Wo bist du? Warum finde ich dich nicht? Warum findest du mich nicht? Solche Nächte möchte man teilen. Sie nicht einfach mit dem Nichts verschwenden.

Warum achtet man Dinge, wenn man sie nicht besitzt? Achtet man das Leben zu Zweit, wenn man alleine? Weil man wohl vergisst, wenn man zu lange zu Zweit. Alleine heißt Erinnerung . Erinnerung in stürmischen Nächten. Erinnerung an dich, obwohl ich dich noch gar nicht kenne. Nur meine Träume rufen nach dir. Noch aber habe ich dich nicht berührt.

Ich weiß wer du sein wirst, sein musst, wenn ich dich erkennen will. Aber bin dann ich der, den du sehen möchtest? Wieder trommelt der Regen die Nacht. Der Blitz macht den Beleuchter und der Donner hält mich wach. Bis alles verschwindet langsam in der ferne der dunklen Nacht. Das Wetterleuchten der Blitze ist schon fast nicht mehr zu sehen. Der Regen nur noch ein sanfter Nachtschatten, in dem mein Traum, mein Wusch nach dir sich aufzulösen beginnt.

Träume wie Wüsche sind versteckt, in uns und der Nacht. Mit ihren Kapriolen befördert sie Diese, in die Schatten der Dunkelheit. Dort kann sie keiner sehen. Man kann sie nur fühlen. Nicht festhalten, den sie gehören der Nacht. Morgen in der früh werden sie kaum noch Erinnerung sein. Denn Träume leben in der Nacht Schatten. Dort haben sie ihren Platz und warten auf uns.

Es gibt nur eine Chance, die Zweite ist nur noch eine Kopie

header, Bild von Dieter_G auf Pixabay

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25 Kommentare zu „the dreamers night shadow

  1. Nächtliche Träume
    und Gedanken,
    die von unseren
    Sehnsüchten erzählen.
    Bei Tageslicht
    aber unter
    Alltagsdingen
    verschwinden.
    Und doch,
    blinzeln sie
    manchmal hervor.
    Wenn man,
    zwischendurch,
    den Gedanken
    freien Lauf lässt.

    Schöne Zeilen, Robert.

    Gefällt 2 Personen

      1. Musste so grinsen, als meine Fantasie wieder losrannte…..
        Der ganze Garten voller Popcorn, dann wächst wenigstens kein Unkraut mehr. Willkommen im Märchenland. 😂

        Gefällt 1 Person

      2. Unkraut ist ja nicht schlimm, sondern durchaus nützlich.
        Dieses Jahr nimmt es aber echt überhand.
        Eigentlich ist es für mich fast wie meditieren, dies an ungünstigen Stellen zu beseitigen.
        Aber dieses Jahr könnte ich, als Widder, fast ausflippen.

        Gefällt 1 Person

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