Von der Zubereitung eines Gasthofes

Sollte man mit einer Spur Ironie und Humor lesen. Nicht so ganz Ernst gemeint.

Es ist schon seltsam mit uns Menschen. Jeder/Jede besitzt eine eigene Welt. Eine Welt die nur der einen Person völlig allein gehört. Niemand bekommt jemals Zutritt in diese Welt. Selbst wenn wir Jemanden kennenlernen und eine Verbindung mit ihm eingehen möchten. Es findet kein Hallo komme herein statt, wie in jedem vernünftigen Gasthaus.

Wir öffnen unser Welttor und reichen die Zutaten, in eine neue Welt, die wir gemeinsam schaffen wollen, hinaus. Diese neue Welt hat nur sehr bedingt mit unserer eigenen Welt zu tun. Es ist eher so, das wir gemeinsam in einen Gasthof einziehen. Nur wollen wir keinen Urlaub machen. Wir wollen den Gasthof erst gastlich machen, um ihn dann zusammen zu übernehmen.

Wenn wir schon Beziehungen hatten, dann bringen wir die alten Balken und Scherben mit. Aber davon möchte ich jetzt nicht sprechen. Wir reden jetzt vom ersten Gasthof den wir zusammen bauen wollen. Schürze an, Zutaten bereit stellen und los geht´s .

Zuerst brauchen wir da ein solides Fundament. Solide, bei zwei frisch Verliebten? Hormone, Hormone die uns völlig Gaga machen, bilden ein Hormoncocktail auf dem unser Gasthof beginnt. Jeder spendet seine eigenen Hormone und darauf schweben wir die erste Zeit. Wenn das Hormonfundament anfängt wabbelig zu werden, kommt Erkenntnis. Wer ist denn das Gegenüber wirklich? Es wird genauer hingeschaut und erste Mängel entdeckt.

Diese werden sofort in des Bauprojekt Gasthof eingebracht. Sprich der Estrich „erste Erkenntnisse“, wird Lasagne platten gleich auf das Hormonfundament genagelt. Darauf leben wir nun. Jeder weiter in seiner eigenen Welt und zusammen im Rohbau Gasthof. Diese Fundament, als Koch würde ich jetzt sagen, lass da bloß kein Wasser oder Feuer dran kommen, wird jetzt ordentlich mit Wänden versehen.

Wände in denen es momentan keine Fenster gibt. Man ist noch zu sehr auf das Innen konzentriert. Je länger man auf so einem Fundament herum läuft, um so mehr Löcher bekommt es. Die Bruchstücke der Lasagne Platten vermischen sich mit den Hormonen und alles wird zu einem Gemisch. Ähnlich einer ungeklärten Rinder brühe.

Wer möchte sich darin bewegen? Aber Menschen sind erfinderisch. sie klopfen einfach ein paar Bretter darüber. Neue Lasagne Platten, diesmal aber nehmen wir all unsere gute Sichten und unsere Vorurteile mit. Die schmieren wir Schicht für Schicht auf die Lasagne Platten. Ganz oben drauf, dem Käse gleich, kommen unsere Liebesperlen. Oben darauf. Ganz oben.

Hier nun, ganz Oben auf, entzünden wir die Feuer der Leidenschaft. Leidenschaft auch die, die Leiden schafft. So erzeugen wir die nötige Hitze die unsere Lasagne braucht um fest zu werden. Wir brauchen ja Halt in jeder Beziehung. Aber wir schüren immer mehr Feuer in der Beziehung und diese erschafft immer mehr Hitze.

Aus dem Gasthof wird ein Glutofen und wir errichten schnell Fenster, aus denen wir hinaus sehen können und die wir öffnen können, um frische, kühle Luft herein zu lassen. Ein Moment der Abkühlung. Bis wir feststellen das Luft gleich Sauerstoff und Sauerstoff gleich, Feuer richtig anheizen heißt. So verbrennen unsere Liebesperlen, da Oben auf.

Schnell dem lieben Frieden willen und um das Feuer in den Griff zu bekommen, holen wir zu unserem letzten Trick aus. Lügen, Ausreden süß wie Honig und Ballastreich wie eine Schwarzwälderkirschtorte, klatschen wir auf das Lasagne brennt Fundament. Die Füße kühlen ab und wir spüren den matschigen Untergrund, in dem wir versinken. Letztendlich waten wir in einer Brühe, in der wir nichts mehr zu erkennen vermögen.

Aber als Mensch gibt man so schnell nicht auf. Aus unansehnlicher Brühe wird Paella gedacht. Jeder fischt sich nur noch seine besten Brocken, bis nichts als ein wenig Flüssigkeit und Reis übrig ist. Die letzte Brühe verdunstet und wir stehen in Mitten von Fenstern ohne Wände. Der Reis ist hart geworden und bohrt sich in unsere geschwollenen Füße.

Wie auf Nägeln bewegen wir uns nur noch. Man zieht sich dahin zurück wo man sich beschützt fühlt. In die eigene Welt, die Welt, die der Andere nie sehen durfte. Man weis ja nie wer da anklopfen könnte. Angekommen sieht der Eine nichts mehr von der gemeinsam geschaffenen Welt und macht sich so auf den Weg, eine neue gemeinsame Welt, mit einer neuen Welt zu schaffen.

Er vergisst den Reis und erinnert sich nur noch fern an dessen Duft. Der Andere bleibt noch eine Weile allein auf dem toten Reis sitzen. Irgendwann erhebt auch er seinen Hintern vom Reis und kehrt in seine Welt zurück. Ein wenig vom Reis im Gepäck. Es sitzt in seinem Herzen und sticht noch eine Weile. Dann, irgendwann bleibt auch ihm nur noch ein Hauch, ein Duft von Basmati, den er aber niemals vergessen wird.

Lasagne

Guten Appetit

Elemente:

  • 300 g Lammfleisch
  • 200 g Kalbfleisch
  • 300 g Lasagne Platten
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 El Tomatenmark
  • 3 Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • 1/2 l Milch
  • 30 g Butter
  • 40 g Mehl
  • 3 Tl Zitronensaft
  • 2 El Olivenöl
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Prise Muskatnuss
  • 250 g Parmesan
  • Salz, Pfeffer

Gestalt geben:

Sugo/ Bolognese

Zwiebeln und Knoblauch schälen und klein hacken. Zwiebel in Olivenöl glasig an schwitzen, Knoblauch beigeben, Lamm und Kalbfleisch durch den Fleischwolf drehen und zu den Zwiebeln geben. Petersilie hacken und unterheben. Tomatenmark zugeben, verrühren und mit braten. Die Tomaten schälen, würfeln und beigeben. Mit Rotwein ablöschen. Salzen und pfeffern. Das Ganze eine halbe bis dreiviertel Stunde lang bei offenem Deckel ein kochen lassen.

Béchamelsoße:

Butter schmelzen und Mehl mit dem Kochlöffel unterrühren. An schwitzen, bis eine hellgelbe Masse entstanden ist. Unter ständigem Rühren Milch hinzugeben. Die Sauce zehn Minuten köcheln und mit dem Schneebesen ab und zu rühren. lassen Abschmecken mit Zitronensaft, Muskatnuss, Salz und Pfeffer.

Für die Lasagne:

Gebutterte Auflaufform mit einer Schicht Sugo bedecken. Darauf eine Schicht Lasagne Platten. Diese mit Bolognese und einer Schicht Béchamelsoße bedecken. So lange wiederholen, bis alle Zutaten aufgebraucht sind. Mit einer Schicht Lasagne Platten und Béchamelsoße abschließen. Dann mit Käse bestreuen.

Die Lasagne bei 180 Grad ca. 40 Minuten goldbraun backen.

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15 Kommentare zu „Von der Zubereitung eines Gasthofes

  1. Eindrucksvolle Beschreibung einer verhängnisvollen Entwicklung, sobald sie einmal begonnen hat. Bei mir war es anders. Ich wähnte mich auf einem festen, trefflich beschriebenen Fundament, das sich plötzlich als reines Luftbild erwies. Erst hing ich in der Luft, dann stürzte ich ab. Ist das Fundament eine Illusion, dann ist es auch das Haus. Eine Nicht-Verbindung aufgebaut auf einem Nichts. So folglich auch Gefühle nur eine Luftblase, denen man nicht länger nachhängen muss, der Mann de facto ein Fremder. Ohne Gefühle kein Schmerz mehr.
    Fünf Kinder zu beschützen und zu versorgen, sie möglichst wenig zu belasten, war reale Aufgabe. Mit diesem Bewusstsein machte ich relativ schnell und konsequent einen Schnitt. Viel nächtliches Nachdenken war angesagt, um die Ursache für die falsche Wahl und die lange Zeit bis zum Erwachen zn, den Fehler nicht zu wiederholen. Es halfen dabei meine Lieblingscousine – zu jener Zeit in gleicher Lage – und Cola-Bacardi. Uns ist es beiden gelungen. Kein Bedauern, keine Verbitterung, eher Erleichterung, viel Lachen, Blick voraus trotz massiver finanzieller Probleme. Diese waren jedoch in unseren Überlegungen nebensächlich, standen von Anfang an im Raum, wurden akzeptiert, Kämpfe um Geld sollten uns keine Energien rauben. Die Kinder waren vorrangig.
    Natürlich habe ich auch klare Erinnerungen an aufregende Momente, Abenteuer usw., aber sie sind wie ein Film, den ich mal gesehen habe. Das betrifft auch die dramatischen Momente. Aus anderen Erinnerungen ist mein erster Mann völlig gelöscht. So zum Beispiel, wenn ich Orte aufsuche, an denen ich mit ihm und Kindern einst war. Es sind nur die Kinder vorhanden. Das ist mir vor ein paar Jahren auf Ibiza aufgefallen. Wenn es manchmal sticht, dann nur durch die körperlichen Verletzungen, die mich von der Trennung abbringen sollten. Nicht wegen meiner Person, sondern wegen des Unternehmens, das zusammenbrach. Absurd – oder? Jedenfalls in meiner Welt.

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    1. Danke für deine ausführliche Beschreibung wie Liebe nicht Enden sollte. Ich denke in jeder Beziehung ist etwas das auch nach der Beziehung noch Bedeutung hat. Manchmal der Partner/in, manchmal das Haus, das Auto oder die Firma.Und ja das hört sich dann Absurd an, ist es aber nicht. Da es oft jahrelang der ganze Halt war.

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      1. Das einzige,das für mich Bedeutung hat, sind meine Kinder. Deshalb würde ich auch alles wieder so machen, denn sonst hätte ich sie ja nicht. Alles andere sind für mich nur Dinge, reine Äußerlichkeiten. Für uns war dieses Ende ideal und ich sehe auch nicht, wieso man etwas nachtrauern sollte, was sich als Trugbild, geplanter Verrat erwiesen hat. Ich bin für klare Schnitte, sie verhindern jahrelangen Zorn, Groll und Vorwürfe. Verhalten hat Konsequenzen, danach muss es aber auch gut sein. Wenn ich ihm heute begegne auf einer Familienfeier, so bin ich höflich und zugewandt so wie gegenüber jedem Fremden. Wir haben uns ja nicht langsam in zähem Ringen auseinander gelebt. Dann läuft es so, wie du beschreibst.

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      2. ich habe nur beschrieben was manchen Leuten in ihren Beziehungen wichtig war. Warum können nur sie beantworten. Auch du hattest in deiner Beziehungen außer den Kindern Prioritäten. Die hat Jeder. Sonst führt man keine Beziehung.

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      3. Ich meinte auch nur, was von Wichtigem geblieben ist. Was mir in der Beziehung wichtig war? Liebe, Vertrauen, Wahrhaftigkeit, gemeinsam Freiheit zu leben und eine Prise Abenteuer. Daran habe ich geglaubt, dafür habe ich gelebt, daran habe ich mit aller Kraft gearbeitet, bis sich herausstellte, dass nichts davon – bis auf Abenteuer – für den Mann trotz gegenteiliger Reden Gültigkeit hatte.

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  2. Grüß dich Robert
    Ein wahrer Alptraum in deinem Gasthof, was mir immer wieder Gänsehaut bescherte… und nur gut, dass du gleich anfangs erwähntest, alles mit etwas Humor und Ironie zu sehen.😉
    Wie heißt es so schön… Du sollst Gutes behalten und Schlechtes vergessen, was am End dann ja auch, mit sogar leckerem Lasagne-Rezept zu lesen ist.
    Liebe Grüße von Hanne

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